In Fleisch, Mikrobiologie, Real-time PCR

Listerien sind derzeit ein großes Thema in den Nachrichten – nicht nur in Deutschland. Die Gefahr, die von den pathogenen Bakterien ausgeht, wird oftmals unterschätzt.

Nach zwei Todesfällen durch Listeriose in Deutschland führt die Spur zu kontaminierter Wurst: Eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts hat einen „unmittelbaren Zusammenhang“ der Todesfälle mit Listerien in Wurstwaren ergeben (Quelle). Der betroffene Betrieb wurde mittlerweile geschlossen, die Produkte weltweit zurückgerufen. Wie die Listerien in die Wurst kamen, ist bislang unklar; Berichte über Hygienemängel haben die Behörden bisher nicht bestätigt. Unterdessen kam es in den Niederlanden ebenfalls zu Todesfällen, die auf Listerien zurückgeführt werden konnten. Den Erkenntnissen zufolge sind dort in den vergangenen zwei Jahren insgesamt drei Menschen an Listeriose gestorben. Auch in diesen Fällen könnten kontaminierte Fleischwaren eine Rolle gespielt haben, worauf ein DNA-Abgleich der gefundenen Listerienstämme hinweist (Quelle). Es deutet viel darauf hin, dass eine unzureichende Reinigung der Geräte in dem betreffenden Betrieb dazu führte, dass Listerien über längere Zeit in den Produktionslinien überleben konnten.

Listerien sind weit verbreitet

Neben Deutschland und den Niederlanden gibt es gegenwärtig auch in Spanien, Frankreich, Großbritannien, Litauen, Südafrika, Kanada und den Vereinigten Staaten Listeriose-Ausbrüche. Dass es einen Zusammenhang zwischen den Fällen gibt, ist allerdings unwahrscheinlich. Listerien finden sich praktisch überall in der Natur und zählen weltweit zu den häufigsten Ursachen von Lebensmittelvergiftungen. So gab es in den vergangenen Jahren regelmäßig Meldungen bezüglich Listerien-Kontaminationen durch das europäische Rapid Alert System for Food and Feed (RASFF):

  • RASFF-Meldungen zu Listerien

Dabei kommen schwere Listeriose-Erkrankungen nur selten vor. Für gesunde Menschen ist die Infektion in der Regel harmlos und verläuft ohne Symptome. Bei Kleinkindern, Schwangeren, älteren Menschen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann die Infektion jedoch einen schweren Verlauf nehmen. Die Sterblichkeitsrate bei Listeriose ist sehr viel höher als beispielsweise bei einer Salmonelleninfektion. Zudem ist die Infektionsdosis relativ gering; bereits 1000 Zellen reichen aus für eine Erkrankung. Bis die ersten Symptome auftreten, kann es jedoch bis zu 10 Wochen dauern. Das macht es schwierig, die Quelle der Kontamination zu identifizieren und die betroffenen Lebensmittel zurückzurufen.

Neuer Listeriose-Erreger identifiziert

Die Herkunft der Keime zu identifizieren ist wichtig, um weitere Erkrankungsfälle zu vermeiden. Dabei ermöglichen es molekularbiologische Analysen, verschiedene Listerienstämme zu unterscheiden. Auf diese Weise haben Forscher kürzlich eine völlig neue und hochvirulente Form von Listeria monocytogenes entdeckt. Der in China isolierte Listerienstamm besitzt demnach Merkmale von gleich mehreren verschiedenen hochpathogenen Listerienarten, wie die Wissenschaftler unter der Leitung des Instituts für Medizinische Mikrobiologie der Justus-Liebig-Universität Gießen herausfanden (Quelle). Die Bedrohung der Lebensmittelsicherheit durch Listerien könnte in Zukunft also noch größer werden.

Listerien in Lebensmitteln nachweisen

Rohe Fleisch- und Wurstwaren, Rohmilchprodukte sowie verzehrfertiges Obst und Gemüse sind besonders anfällig für Listerien-Kontaminationen. Mit Hilfe von PCR-Tests oder Nährbodenplatten können die Bakterien in Lebensmitteln sicher nachgewiesen werden. So können bei einer festgestellten Kontamination innerhalb der Produktion schnell Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

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