Rückstände von Hormonen und Anabolika in Lebensmitteln wie Fleisch oder Milch stellen ein mögliches Gesundheitsrisiko für den Verbraucher dar. Im Sinne des Verbraucherschutzes bietet R-Biopharm daher Testsysteme zur Detektion natürlicher und synthetischer Hormone und Anabolika an.

Hormone sind natürliche und körpereigene biochemische Botenstoffe, die über den Blutkreislauf zu ihren Zielorganen transportiert werden. In der EU ist in der Tierzucht und Tiermast der Einsatz von Hormonen verboten. Weltweit können je nach lokaler Gesetzgebung, Hormone als Tierarznei- oder Masthilfsmittel jedoch Anwendung finden. Dabei werden neben natürlichen Sexualhormonen auch synthetische Steroide und ß-Agonisten dazu verwendet, die Futterverwertung, die durchschnittliche Gewichtszunahme oder das Fleisch-/Fettverhältnis zu verbessern.

Als Folge falscher oder illegaler Anwendung können Rückstande von Hormonen und Anabolika in Lebensmitteln tierischen Ursprungs wie z.B. Fleisch oder Milch verbleiben und stellen ein mögliches direktes Gesundheitsrisiko für den Konsumenten dar. Zusätzlich führt der Eintrag von Substanzen mit hormoneller Wirkung durch tierische Fäkalien in Oberflächen- und Grundwasser zu einer Kontamination und Gefährdung aquatischer Ökosysteme. Über Trinkwasser und Fischverzehr können Hormonrückstände wieder in die Lebensmittelkette gelangen.

Gesetzliche Regelungen

In Europa ist der Einsatz von Hormonen und Anabolika in der Tierzucht als wachstumsfördernde Substanzen verboten und wird in Rückstandskontrollplänen überwacht (Richtlinien 96/22/EG; 2008/97/EG; und 2003/74/EG). Die therapeutische Anwendung für spezielle veterinärmedizinische Anwendungen ist jedoch erlaubt. Hormonwirksame Anabolika als wachstumsfördernde Substanzen werden außerhalb von Europa jedoch zum Teil legal in der Tiermast wie z.B. in den USA eingesetzt und von den dortigen Zulassungsbehörden als risikolos beurteilt.

Unsere RIDASCREEN® ELISA-Tests ermöglichen eine quantitative Analyse bestimmter Hormone und Anabolika und verwandter Substanzen durch eine immunologische Antikörper-Antigen-Reaktion. Die Auswertung erfolgt mittels Mikrotiterplatten-Photometer und der Software RIDA®SOFT Win.

Androgene

Androgene (auch bekannt als androgene Hormone oder Testoide) sind Sexualhormone, die als Steroide eingesetzt werden. Das bekannteste Androgen ist Testosteron. Wenn Tiere mit Androgenen behandelt werden, können Medikamentenrückstände im Fleisch und in der Milch der Tiere zurückbleiben. Mit unseren Test-Systemen können Androgen-Rückstände zuverlässig nachgewiesen werden.

Testosteron

Testosteron gehört zu den natürlichen, männlichen Steroidhormonen. Wegen des illegalen Einsatzes dieses Steroidhormons als Masthilfsmittel ist die im nationalen Rückstandskontrollplan gesetzlich geforderte Nachweisgrenze für HPLC-SP und GC-MS mit < 0,1 μg/l (ppb) in Plasma festgelegt.

Methyltestosteron

In seiner anabolen Wirkung gleicht Methyltestosteron nahezu dem Testosteron, einem natürlichen, männlichen Sexualhormon. Methyltestosteron ist ein synthetisches Steroidhormon und wird genau wie Testosteron illegal als Masthilfsmittel eingesetzt.

19-Nortestosteron

In seiner anabolen Wirkung gleicht 19-Nortestosteron nahezu dem Testosteron, hat aber eine geringere androgene Wirkung. In der BRD sind 19-Nortestosteron-Dekanoat und -Laurat in der Tiermedizin zugelassen. In weitaus größerem Maße wird 19-Nortestosteron jedoch illegal als Dopingmittel im Hochleistungssport sowie im Pferdesport eingesetzt. Vor einigen Jahren wurde eine zunehmende Anwendung illegaler Cocktails als Masthilfsmittel in der Kälbermast beobachtet. Die Cocktails enthielten in der Regel 19-Nortestosteron-Ester.

Trenbolon

Trenbolon-Acetat ist ein sehr effizientes, anaboles Steroid, verbunden mit einer starken androgenen Aktivität. Bei korrekter Anwendung konnte bisher keine genotoxische Aktivität von Trenbolon gezeigt werden. Dennoch bewirkt Trenbolon in erhöhten Konzentrationen Zelltransformationen in embryonalen Zellen des Goldhamsters und reagiert schwach positiv im Ames-Test.

Östrogene

Östrogene (oder Estrogene) sind weibliche Sexualhormone. Sie können synthetisch hergestellt und als Medikament eingesetzt werden. Einige Östrogene werden als Steroide genutzt. Werden Tiere mit Östrogenen behandelt, können Medikamentenrückstände im Fleisch und in der Milch der Tiere zurückbleiben. Wir bieten Test-Systeme, um Östrogen-Rückstände zuverlässig nachzuweisen.

Diethylstilböstrol (DES)

Diethylstilböstrol sowie Hexöstrol gehören zur Stoffgruppe der Stilbene und sind effiziente anabole Steroide, verbunden mit einer starken östrogenen Aktivität. Als physikalisch-chemische Methoden für die Analytik anaboler Steroide werden in der Regel HPLC und GC/MS angewendet. Als Screening-Methode haben sich dagegen immunologische Verfahren wie RIA und EIA durchgesetzt.

17ß-Östradiol

17ß-Östradiol gehört zu den natürlichen Sexualhormonen. Der Gehalt an 17ß-Östradiol in Rinderplasma ist sehr niedrig. Bei Kälbern liegt er bei ca. 1 – 2 pg/ml und bei geschlechtsreifen Rindern bei ca. 1 – 5 pg/ml. Nur in Plasma von trächtigen Rindern bzw. Tieren, die illegal mit Hormonen behandelt wurden, werden Konzentrationen von 100 bis 1000 pg/ml gefunden.

Ethinylöstradiol

Ethinylöstradiol gehört zu den synthetischen Sexualhormonen und ist in der EU seit 1988, wie alle anderen natürlichen und synthetischen Steroidhormone, für die Tiermast verboten.

Zeranol

Zeranol (α-Zearalanol), ein Derivat des Mykotoxins Zearalenon, zeigt östrogene und anabole Wirkung. In der Tiermast kann es als Leistungssteigerer zur Verbesserung der täglichen Gewichtszunahme und damit der Futterverwertung eingesetzt werden. Zeranol ist jedoch EU-weit als Masthilfsmittel nicht zugelassen. Das synthetisch hergestellte Zeranol zeigt etwa eine dreimal höhere östrogene Aktivität als Zearalenon. Neben seiner wachstumsfördernden Wirkung löst es somit bei Tier und Mensch alle Symptome eines Hyperöstrogenismus, insbesondere Fruchtbarkeits- und Entwicklungsstörungen aus. Im Sinne eines vorbeugenden Verbraucherschutzes müssen regelmäßige Untersuchungen durchgeführt werden, da ein illegaler Einsatz dieser Substanz nicht auszuschließen ist.

Gestagene

Gestagene (auch bekannt als Gelbkörperhormone oder Schwangerschaftshormone) zählen zu den weiblichen Geschlechtshormonen sowie zu den Steroidhormonen. Sie werden manchmal als Wachstumsförderer in der Viehzucht eingesetzt. Mit Gestagen behandelte Tiere können im Fleisch und in der Milch Medikamentenrückstände aufweisen. Mit unseren Test-Systemen können solche Rückstände zuverlässig erkannt werden.

Acetylgestagene

Medroxyprogesteronacetat (MPA), 17α-Acetoxyprogesteron, Megestrolacetat und Chlormadinonacetat gehören zur Gruppe der Acetylgestagene. Es ist bekannt, dass sich diese Acetylgestagene als Leistungssteigerer im Rahmen der Tierproduktion eignen und in der Vergangenheit in illegalen „Cocktails“ in der Kälbermast eingesetzt wurden. Die genannten Verbindungen sind jedoch nicht als Masthilfsmittel zugelassen. In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass sich die höchsten Rückstandskonzentrationen im Fett befinden. Daneben kann z.B. MPA im Plasma nur wenige Tage nach Verabreichung nachgewiesen werden, wohingegen Urin für den zuverlässigen Nachweis von MPA nicht geeignet ist. Nach Verabreichung von MPA bei Kälbern sind auch nach einer Wartezeit von 19 Tagen noch hohe Konzentrationen an nicht-metabolisiertem MPA im Fett nachgewiesen worden.

Melengestrolacetat

Synthetische Gestagene werden einerseits eingesetzt, um nach deren Entzug einen synchronisierten Eisprung bei Zuchtrindern zu erzielen und die Fertilität zu verbessern, andererseits ist eines dieser synthetischen Gestagene, Melengestrolacetat (MLGA), ein zugelassener wachstumsfördernder Futtermittelzusatz für Färsen in den USA und Kanada. Die festgelegte Dosis beträgt 0,5 mg pro Tier und Tag und wird als Futtermischung verabreicht. Die anabole Wirkung von MLGA ist nicht geklärt, aber eine Stimulierung der Synthese des endogenen anabolen Steroids Östradiol ist bekannt und über evtl. androgene Nebeneffekte wird spekuliert. MLGA gehört zu den aktivsten synthetischen Gestagenen und seine orale Bioaktivität liegt 10- oder 100-mal höher als die der Gestagene Chlormadinonacetat (CMA) oder Medroxyprogesteronacetat (MPA). Parenteral verabreicht liegt die hormonelle Aktivität 125-mal höher als die von Progesteron. Aufgrund seiner sehr lipophilen Eigenschaften reichert es sich im Vergleich zum Blutplasma ca. 200-fach im Fett an. Seit 1988 ist der Einsatz von Sexualhormonen als Wachstumsförderer in der EU generell verboten und so auch der Import von Fleisch hormonbehandelter Tiere.

β-Agonisten

β-Agonisten, wie z.B. Clenbuterol oder Salbutamol, sind synthetische Derivate der natürlich vorkommenden Catecholamine (auch Katecholamine oder Brenzcatechinamine). Werden ß-Agonisten in der Behandlung von Tieren eingesetzt, können Medikamentenrückstände im Fleisch und in der Milch der Tiere zurückbleiben. Solche Rückstände können mit unseren Test-Systemen erkannt werden.

Es ist bekannt, dass β-Agonisten als Leistungssteigerer im Rahmen der Tierproduktion geeignet sind. Insbesondere kann das Fleisch-/Fettverhältnis von Masttieren verbessert bzw. das Wachstum beschleunigt werden. Jedoch sind β‑Agonisten als Masthilfsmittel von der Europäischen Union (EU) nicht zugelassen. β-Agonisten besitzen neben der lipolytischen und anabolen Wirkung eine relaxierende Wirkung auf die glatte Muskulatur, worauf die therapeutische Anwendung als Antiasthmatikum und Tokolytikum beruht. Es ist nicht auszuschließen, dass Rückstände von β-Agonisten nach illegaler Anwendung zu einer Verbrauchergefährdung führen können. Deshalb ist der Einsatz von β-Agonisten in der Nahrungsmittelproduktion verboten.

Clenbuterol

Clenbuterol gehört zur Gruppe der β-Agonisten. Als Masthilfsmittel wird Clenbuterol, verglichen zur therapeutischen Anwendung, in 5- bis 10-fach höherer Dosierung eingesetzt. Es ist somit nicht auszuschließen, dass Clenbuterol-Rückstände nach illegaler Praxis zu einer Verbrauchergefährdung führen können.

Ractopamin

Ractopamin gehört zu der Gruppe der ß-Agonisten. Als Leistungssteigerer im Rahmen der Tierproduktion verringert Ractopamin den Fettanteil, erhöht den durchschnittlichen täglichen Gewichtszuwachs und verbessert die Futtermittelverwertung sowie die Effizienz der  Futtermittelumwandlung (englisch: feed conversion ratio = FCR) bei Masttieren. Es ist nicht auszuschließen, dass Ractopamin-Rückstände nach illegaler Praxis zu einer Verbrauchergefährdung führen können. In vielen Ländern ist der Einsatz von Ractopamin daher verboten.

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